H. BINGS u. C. DARLTON [ Heinz Bingenheimer (1922-1964) & Walter Ernsting (1920-2005) ]
DER SPRUNG INS NICHTS
Science-Fiction-Roman
John Wyatt warf einen kurzen Blick auf seinen Nebenmann, der mit verkniffenen Lippen vor dem Empfänger saß und versuchte, das Bild des Fernsehschirmes genau einzutrimmen. Behutsam drehten die schmalen, nervigen Hände die Kondensatorknöpfe, ohne den Schirm aus den Augen zu lassen. Ein unterdrückter Laut Bergens ließ den Kommandanten erneut zum Bildschirm sehen. Das Gebilde zeigte soeben reine Kugelform. Aus seiner Mitte brach ein milchiger Strahl, der sich zitternd im Raum verlor. Dann schien sich die Kugel aufzublähen, füllte innerhalb weniger Sekunden den ganzen Bildschirm aus, strahlte in einem blutigen Rot auf - und war wie ein Spuk verschwunden. Der Schirm zeigte nur noch tiefes Schwarz, von funkelnden Sternen unterbrochen. Es waren Tausende und in allen Farbtönen - das gewohnte Bild des Weltraumes, den die SOLARIS nun seit über drei Monaten durchkreuzte.
Vorspann von Walter Ernsting (Seite 8):
Dieser Roman entstand in seinen Anfängen vor etwa vier Jahren. Ein gutes Drittel stellte Heinz Bingenheimer unter seinem Pseudonym Henry Bings fertig, dann ließ ihm die Arbeit keine Zeit mehr. Der Roman blieb liegen. Er sprach oft mit mir über die geplante Fertigstellung, entwickelte seine Ideen dazu und machte mir den Vorschlag, ihn eines Tages doch zu Ende zu schreiben.
Dann, am 17. August 1964, starb Heinz Bingenheimer.
Ich erfüllte sein Vermächtnis, wenn ich nun versuchte, den Roman so fertigzustellen, wie der ursprüngliche Autor es sich vorstellte. Vielleicht ist es mir gelungen, wenn sich auch unterschiedliche Auffassungen über gleiche Themen niemals vermeiden lassen.
Es war der Vorschlag des Verlages, diesen Roman als Weihnachtsband der TRANSGALAXIS erscheinen zu lassen. Ich bin der Meinung, daß es ein guter Vorschlag war, stellt doch "DER SPRUNG INS NICHTS" das Vermächtnis von Heinz Bingenheimer dar, das richtig zu interpretieren ich mich redlich bemühte.
Meinem Freund Heinz Bingenheimer gewidmet.
Walter Ernsting
BALOWA-VERLAG - BALVE i. W. [ Verlagsgruppe Gebr. Zimmermann, Balve i. W. ]
[ OA | 1. Auflage, o. J. (1964) | 271 S. | 18,5 x 12,5 | Farb. ill. Supronyl -- Olivgrüner Leinenband mit Deckelvignette u. farb. ill. SU (= Transgalaxis Weihnachtsband 1964) | mit einer Werbeseite für den 18. ZBV-Roman von K. H. Scheer "Gegenschlagsprogramm Kopernikus" ] +=
[ TG # 38 - Dez 1964 | Illmer-43 (nennt nur die Supronyl-Ausgabe) | Serowy # 115-2 | ddb+ ]
Zeitgenössische Kurzrezension von "T. S.":
"Der Weihnachtsband 1964 läßt sich ebenso flüssig lesen, wie seine Entstehungsgeschichte interessant ist. Heinz Bingenheimers Nachlaß enthielt ein nicht vollendetes Romanmanuskript, an dem er seit Jahren nicht mehr gearbeitet hatte. Auf Grund eines freundlichen Entgegenkommens des Zimmermann-Verlages wurde es uns ermöglicht, diesen Roman - von Clark Darlton vervollständigt - zu bekommen. Es handelt sich um eine spannende Space Opera, die in einem fernen Sonnensystem spielt. Einer menschlichen Expedition fällt auf, daß sich eine Echsenrasse menschenähnlicher Roboter bedient und versucht, diesem Phänomen auf den Grund zu gehen. Sie findet auf einem anderen Planeten die Überreste dieser menschlichen Rasse und entdeckt ihr Geheimnis. Ein gut und spannend geschriebenes Abenteuer. Während Henry Bings vielleicht darauf aus war, einen Weltraum Roman zu schreiben, verlegt Clark Darlton die Handlung auf den Boden des zweiten Planeten und gibt uns tiefere Einblicke in dessen Bevölkerung. Von einem Bruch in der Handlung oder einer möglich erscheinenden Uneinheitlichkeit kann jedoch nicht die Rede sein." (TRANSGALAXIS - Eine Buchgemeinschaft der Freunde utopischer Literatur - Nr. 39 / Februar 1965). ]
|